Kalman_Berberinnen_fertig

Algier im Oktober 1993. Der algerische Bürgerkrieg wütet und fanatische Islamisten bedrohen Intellektuelle, die sich gegen eine radikale Islamisierung ihrer Gesellschaft aussprechen. Salima Aїt Mohamed ist eine von ihnen. Zusammen mit ihrem Kollegen, dem Schriftsteller und Herausgeber Tahar Djaout, kämpft sie für ein demokratisches Algerien. Dann wird Tahar Djaout auf offener Straße erschossen. Wenige Wochen später bekommt Salima Ait Mohamed einen Anruf: Es ist die Stimme ihres Chefredakteurs. "Du musst sofort weg! Wenigstens für ein, zwei Wochen. Denn du stehst auch auf der Liste“. Salima Aїt Mohamed ist wie benommen. Sie fährt nach Hause und schreibt den ganzen Abend wie besessen Gedichte. Es scheint der längste Abend ihres Lebens zu sein - und auch der stillste, mit einem purpurfarbenen Sonnenuntergang und unvergesslichen Düften: Pinien, Oleander, Zimt, Kümmel- und Nelkendüfte, die aus den Ritzen der verriegelten Ladentüren vom nächtlichen Marktplatz in ihre Wohnung ziehen. 

Dann, spät in der Nacht, packt sie ihre Sachen, um am nächsten Morgen nach Marseille zu fliegen. Für immer.