Dorf

Die Schildbürger von Selmence – Ein grenzenlos slowakisch-ukrainisches Dorf

Die Berliner Mauer ist gefallen, Europa ist nicht mehr geteilt - Ost und West sind eine einzige große EU-Familie. Das wird nun im Herbst 2009 gebührend gefeiert werden. Doch zwischen der Slowakei, der Ukraine und Ungarn liegt ein kleines Dorf, das von dieser Vereinigung nicht profitieren konnte.

Denn immer noch schneidet ein Rest des Eisernen Vorhangs - heute die Schengengrenze - das Dorf in zwei Teile: in das ukrainische Kisselmec/Maly Selmenci und das slowakische Nagyszelmenc/Velke Selmence. Im Dorf selbst leben zu alledem noch Ungarn und ungarisch-sprachige Roma, zwei in der Ukraine und in der Slowakei wenig geschätzte Minderheiten. Und die kämpfen seit 1990 eisern und vor allem auch gemeinsam für ihr Recht, über diese Grenze hinweg "ein" Dorf bleiben zu dürfen. Das ist nicht leicht, denn absurde Visa-Gesetze einer nicht minder hermetisch geschlossenen Schengengrenze und Schikanen der ukrainischen und slowakischen Behörden machen ihnen das Leben schwer. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als äußerst originelle Wege und Umwege zu finden, um sich zu treffen, um die Schüler aus den Schulen zusammenführen zu können, um gemeinsam kulturelle Aktivitäten und große Musikfeste zu organisieren… was aus den Selmencern mittlerweile so etwas wie osteuropäische Schildbürger macht.
Eine Reportage von Anat Kalman.