Tatarensendung_DLF   Unter Bäumen liegt tief der Schnee. / Es kommt der Frühling, doch weit überm See/ schmerzt die Zeit / denn die Seele der Tataren ist geteilt.  / Und im Gebirge vom Ural ist Nacht /wer hat wohl über diese Erde Macht? / Oh Ihr stolzen Krieger, schneller als der Wind, / Ihr werdet nicht mehr wissen, wer Eure Erben sind. /  so dacht’ ich mir erst kürzlich auf meinem Weg im Ural: wer streicht sie aus/ die Fehler der Geschichte? / und wer gibt diesem grossen Land zurück / was einst -  ach – noch so viel grösser war / als jener Berge verglühtes Glück …?  ATMO Musik…eine singende Frauenstimme    -  Sprecherin:  Wenn die tatarische Dichterin Fauzia Bairamowa von ihrem Land spricht, spürt man ihre Unruhe, die Rührung und die Wut. Denn Tatarstan ist mit seiner tausend Jahre alten Hauptstadt Kasan, mit ausgedehnten Tälern, weiten Wiesen und Wäldern, mit Kreidefelsen und den breiten Ufern an der Wolga, ein Land grosser Naturschönheit. Doch dort, wo in den Sowjetjahren Modernisierungen vorgenommen wurden, trägt die Natur auf traurige Weise die Male gnadenloser Ausbeutung. Dort stehen hinter den zerbröckelnden Plattenbauten die schwarzen  Fabrikschlote und brüchigen Atommeiler, die auch heute noch ihre Schadstoffe unkontrolliert in diese herrliche Natur abgeben. Seit nun bald mehr als 5o Jahren. Wer streicht sie also aus: diese Fehler der Geschichte?  - fragt darum Fauzia Bairamowa  immer wieder in ihren Erzählungen, Artikeln und  Gedichten. Eine Sendung des DeutschlandRadio Berlin, 2004